Einblicke


Die Arbeit mit Holz 

Hölzer von gefallenen Bäumen haben es mir angetan. Ein Baum, meist viele Jahre alt, hat Jahreszeiten durchlebt, Stürme, Wetter, Blüte, Nacktheit und hat uns lange Freude und Schatten gespendet. Seine äußere Schönheit von der Rinde über die Blüte bis hin zu jedem einzelnen Blatt verrät uns nichts über die Schönheit seines Holzes, über seine Farbe, hell oder dunkel, seine Beschaffenheit, hart oder weich und den vielen Lebensringen, die von feuchten und trockenen Jahren zeugen. Von all dem ahnen wir nichts und erfahren erst davon, wenn er fallen musste.

Aus diesen Hölzern etwas zu arbeiten und so dem Baum ein Stück Unsterblichkeit zu verleihen, ist mir ein Anliegen. Ich staune jedes Mal, wenn ich ein derb abgesägtes Stück beginne zu bearbeiten, welche innere Schönheit zum Vorschein kommt.
Meine Holzarbeiten bilden eine Serie mit dem Titel ‚Wunde und Schönheit‘. Das fertig bearbeitete Stück enthält sichtbare Spuren seines Lebens, wie Kerben oder Risse, und auch seines Ablebens, z.B. Schnitte. Die sichtbaren Spuren werden in die Gestaltung mit einbezogen und verleihen dem Werk eine einzigartige und individuelle Schönheit. Es ist wie bei uns Menschen, Schönheit ist für mich nicht die makellose Perfektion, sondern die Summe alles Gelebten. Schönheit nicht trotz, sondern wegen der Spuren und Narben.

Bei all meinen figürlichen Arbeiten ist das Anfassen unbedingt erwünscht. Das haptische Erleben beim Berühren der in vielen Schleifprozessen entstandenen feinen, glatten Flächen und im Gegensatz dazu auch der rau belassenen Flächen darf meines Erachtens beim Betrachten nicht fehlen. Betrachten und Berühren entfalten gemeinsam eine stärkere Wirkung.

Die Arbeit mit Marmor

Marmor gehört zu den Steinen, die durch Umwandlung entstehen. Vor ca. 200 Millionen Jahren wurden im Erdinneren Kalkstein und andere carbonatreiche Gesteine unter hohem Sedimentdruck und starker Hitze gekocht und über Jahrtausende während des Abkühlens in Kristalle umgewandelt. Marmor besteht zu großen Teilen aus Mineralien wie Calcit, Dolomit oder Aragonit. Vor 60 Millionen Jahren begannen die Kontinentalplatten Afrika und Europa sich aufeinander zuzubewegen, wodurch die Alpenbildung begann und vor 30 Millionen Jahren entstanden durch Auffalten die Apuanischen Alpen. Ich schreibe das so ausführlich, damit meine Ehrfurcht vor dem Stein besser nachvollziehbar ist.
 
Dieser Marmor stammt aus Azzano (Lucca), das zwischen Carrara, wo eines der größten Marmorvorkommen der Welt zu finden ist, und Pisa liegt, auf halber Höhe zum Monte Altissimo, an dessen Spitze auf 1560m ein alter Steinbruch leuchtet, in dem schon Michelangelo den Marmor für seine Skulpturen abbaute. Im nahen Flussbett des Flusses Serra, der oben am Monte Altissimo entspringt und ohne Unterlass Steine vom Berg heruntertransportiert und dabei zu Flusssteinen schleift, barg ich ihn eigenhändig aus einem breiten Feld von weißen Steinen. Wohin ich auch schaute, alles Marmor bis auf wenige Ausnahmen. Ich wünschte mir einen gelblichen Stein, warum auch immer am Ursprungsort des reinen weißen Carrara Marmors, dem Statuario.
 
Zunächst wird der Stein geschält, d.h. von seiner Flusshaut befreit. Beim Schälen treten erste Eigenheiten des Steins zutage, Risse, harte oder weiche Stellen. In diesen ersten Stunden packt mich stets die Ehrfurcht und Scheu vor solch einem alten Stein. Vor Jahrmillionen im Erdinneren entstanden, oben am Berg vor Jahrhunderten als kantiger Brocken abgeplatzt beim Marmorabbau und bei seinem Weg nach unten im Fluss rundlich geschliffen worden liegt er dann vor mir. Wer bin ich, ihm meine Vorstellungen aufzudrängen? Einerseits. Andererseits würde er noch weitere Jahrhunderte dort liegen, unentdeckt, unerkannt, einer von vielen. Ich gebe ihm eine neue Form, bringe seine verborgene Schönheit ans Licht und schaffe etwas Ewiges, das mich überdauert. So beginnt der Dialog mit dem Stein, eine Beziehung, Geben und Nehmen. Beim Schlagen bitte ich den Stein, mir zu zeigen, was er zulassen möchte und folge meiner Intuition. Mit vorsichtigen Schlägen wandere ich um seinen Körper herum, lerne ihn kennen, seine Stärken und seine Schwächen, halte inne, schaue immer wieder von allen Seiten nach Unstimmigkeiten. 

Die plastische Arbeit

Meine Plastiken entstehen spontan. Finde ich außergewöhnliche Steine, Holz oder Muscheln, muss ich sie mitnehmen. Auch vorhandene Materialien oder Abfallprodukte aus anderen Fertigungsprozessen drängen mich dazu, sie aufzuheben, um sie später neu zusammenzufügen.
Häufig habe ich ein Stück Holz, Steine, Muscheln, Draht oder Teile aus einem völlig anderen Kontext bereits sehr lange bevor plötzlich eine Idee aufblitzt, was daraus entstehen könnte. Sie haben irgendwann einmal meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie ein wertvoller Schatz und mich begleitet, sichtbar aufgestellt wie kleine Trophäen, die ich liebe. Von Zeit zu Zeit nehme ich sie in die Hand. Beim neugierigen Betrachten und Befühlen lasse ich meiner Fantasie freien Lauf. Auf diese Weise zeigt sich dann plötzlich ein Thema und ich stürze mich voller Hingabe in dieses neue Projekt. Dabei fließen häufig eigene Themen mit ein, die mich zu dieser Zeit beschäftigen. Jedes fertiggestellte Objekt löst in mir etwas auf und wird in die Welt entlassen mit der Hoffnung, dass es in anderen auch etwas zum Schwingen bringt.

Die Arbeit mit Acryl - Serie ZUM LICHT

Mein Leben ist in der Summe ein stetiges Streben nach Licht in allen Bereichen. Wenn es um die künstlerische Auseinandersetzung mit Licht geht, bevorzuge ich Acrylfarben. Sie lassen sich sehr gut mischen, in Lagen übereinander auftragen, ohne lange Trocknungszeiten, und verdünnen, so dass ich sehr feine transparente Übergänge entstehen lassen kann. Daraus entwickelte ich mit dicken Pinseln eine Technik, durch die die lichtvollen Bereiche der Bilder leuchtend fast gleißend die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Blick wird vom Licht angezogen und sucht einen Anker in den Übergängen. 
 
Die Serie ZUM LICHT umfasst vier Bilder mit biografischem Hintergrund zu diesem Thema. Während bei ZUM LICHT BLAU das Licht durch einen Spalt sichtbar wird und nach vorne drängt, sich Raum nimmt, Licht ins Dunkle bringt, unwiderruflich, gewiss, ist es bei ZUM LICHT ROT bereits als ganze Form und klares Ziel erkennbar. Der Weg dahin ist hell, warm und einladend. Der Betrachter wird vom Lichtkreis angezogen. Bei ZUM LICHT GRÜN ist der Rand eines viel größeren runden Lichtmeeres bereits erreicht. Es kann noch hin-und hergewandert werden. Das Dunkle ist nicht mehr unbekannt, das Helle ist ganz empfangend und der Übergang lädt zum Verweilen ein, beruhigend und erfrischend zugleich. Bei ZUM LICHT GELB verschwimmen schließlich die Grenzen. Das Licht durchdringt alles. Es gibt Licht und Übergang, nichts Dunkles mehr. Das Licht überwiegt. Die Dimension des Ausschnitts ist nur noch zu erahnen.

Die Arbeit mit Buntstift und Tusche, oder die Liebe zur Linie

Die geschwungene Linie ist wirklich meins. Sie kommt von ganz tief innen und spiegelt meine Lebendigkeit, Fülle und Freude wider. Die Geburt meiner Linie geschah durch ‚Zufall‘ in einem Wutanfall 1990 und löschte den Glaubenssatz ‚Ich kann nicht malen‘ aus meinem Bewusstsein. Seitdem ist sie fester Bestandteil meiner Malerei.  Ich liebe es, wenn das Medium fähig ist, mir scheinbar endlos zu folgen, um Schwünge, Kringel, Wellen und Formen ohne abzusetzen entstehen zu lassen. Mit dem Pinsel ist das nicht möglich. Jahrelang habe ich der Linie in Buntstift-Zeichnungen und auf Seidenbildern freien Lauf gelassen. Dabei stellte ich eigene Gesetzmäßigkeiten auf und hielt sie so lange ein bis ich sie – häufig durch einen vermeintlichen ‚Fehler‘ – umstieß oder durch neue ersetzte. Die ultimative Entdeckung war 2019 der Tuschestift für mich. Mit dem Buntstift wird die Linie immer breiter, je länger ich sie zeichne. Sie mit dem feinen 0,1mm Tuschestift zu zeichnen und mit Buntstift auszumalen, gibt den Bildern eine andere Dynamik. Die Linie in ihrer Feinheit ist an jeder Stelle gleich, egal, wie lang sie ist oder wie viele Schwünge sie hat. Das verleiht dem Bild eine sehr große Klarheit, Reinheit und Transparenz. 
Die Bilder waren immer abstrakt. Mit den Jahren wurden sie konzentrierter, farbintensiver und aussagekräftiger. Auch hier fließen immer aktuelle Themen mit ein. Meine Art Portraits zu zeichnen ist die Gestaltung des Namens einer Person. Meine Lieblinge sind die fliegenden Teppiche.

Die Arbeit mit Seide

Zur Seide kam ich 1997 aufgrund des Bedürfnisses, großformatiger zu malen.
 Seide ist ein wunderbar fließendes, weiches und glänzendes Material. Sie ist lebendig und gibt die Regeln vor, verzeiht keine Fehler. Nichts kann übermalt werden oder korrigiert. Ich empfinde das als sehr spannend und aufregend. Die komplette Kontur muss fertig sein, bevor es darum geht, die Flächen farbig zu gestalten. Das Ausmalen ist eine sehr sinnliche, meditative und befriedigende Arbeit. Der getränkte Pinsel berührt den Stoff, der augenblicklich die Farbe aufsaugt und sie bis zur Kontur verteilt. Das rechte Maß will gefunden werden für die Menge an Farbe, die für die jeweilige Größe des Feldes nötig ist. War die Konturarbeit nicht akkurat, besonders bei schwererer Seide, läuft die Farbe unter der Kontur durch ins nächste Feld und macht das Ganze unsauber. Bei großen Flächen muss schnell gearbeitet werden, da die Farbe sehr schnell trocknet, wodurch Ränder entstehen können. Häufig habe ich genau das als Technik zur Formgebung genutzt. Meine liebste Konturfarbe ist Gold, weil sie für mich am schönsten mit dem seidigen edlen Stoff und den wunderbar leuchtenden Farben korrespondiert. 

Installationen und Collagen

 Installationen aus Naturmaterialien entstehen meistens in einer meditativen Selbstvergessenheit. Sei es, dass ich Stunden lang Strände auf und ab mäandere, Muscheln suche, die ineinander passen groß bis winzig, Steine sammle, deren Form mir ins Auge springt, Hölzer aufhebe, die das Meer ausgeschliffen hat oder je nach Sandstruktur große Formen oder Figuren im nassen Sand gestalte, um nachher zuzuschauen, wie die Flut sie Stück für Stück wieder auflöst. 
Ich weiß, dass ich dabei auch Gedanken habe, jedoch ziehen sie einfach nur durch mich durch. Das ist eine Zeit der Entspannung und Erholung für mich und am Abend solcher Tage fühle ich mich erfüllt und beseelt.
Installationen aus verschiedenen Materialien entstehen im Atelier und werden durch ein Thema angeregt, zu dem mich das eine oder andere Objekt inspiriert.
Die meisten Installationen werden nur auf Fotos festgehalten. Andere liegen oder stehen als solche dauerhaft bei mir zuhause als Energie spendende Begleiter. 
Aus manchen entstehen später Collagen in Objektrahmen. 

Webdesign

www.petrafroese.net
www.petrafroese-blog.de
www.logopädie-in-schöneberg.de
www.markusgolombek.de
www.sprecherin-berlin.net